Theater Haldenstein Medienbericht

Die letzte Hexe als Freilichtspiel

Artikel der P&H vom Samstag, 25. Mai 2019
Unter dem Label «far da las bellas IN DER KULTUR» und der Leitung Regisseurin Annina Giovanoli findet im Juni das Freilichttheater Anna Göldi im Schloss Haldenstein statt. Premiere feiert die Aufführung am 13. Juni.
Die Geschichte um die im Hexenprozess für schuldig befundene Anna Göldi kennt auch heute, mehr als 200 Jahre später, noch fast jeder. Doch gehört die Geschichte wirklich den Glarnern? Annina Giovanoli findet nicht: «Anna Göldi steht für mich als Zeichen weit über die Glarner Kantonsgrenze hinaus». Sie stehe als Zeichen für die Hilflosigkeit gegenüber dem eigenen Mut. Genau aus diesem Grund schrieb Giovanoli in ihrem Stück eine Rolle zwischen Schuld und Gewissen. Die Eigenproduktion und der Spielort, das Schloss Haldenstein, liegen ihr dabei sehr am Herzen. Natürlich stellt sich bei einer Inszenierung immer die Frage, ob das Stück in den Dialekt und die Umgebung passt. Für Giovanoli ein klares Ja: «Das Stück in Bündner Dialekt zu verfassen finde ich nicht komisch sondern authentisch.» Durch ihre Recherchen und Auseinandersetzung mit der Person und dem Schicksal von Anna Göldi erkannte sie, dass Dreibünden um 1782 die gleichen Probleme wie auch das Glarnerland gehabt hatte. So hätte der Hexenprozess ihrer Meinung nach ebenfalls auf Bündner Boden sein können. «Den Frauen von alt frei Rätien wurden bis ins späte 18. Jahrhundert Prozesse gemacht, wir waren also keinen Deut besser », so die Regisseurin. So kam es ebenfalls zu Massenhinrichtungen durch Hexenfeuer von Frauen und Mädchen, vereinzelt aber auch Männern.

Geschichte zum Stück

Im Stück selber spielen 13 Personen eine Rolle. Nicht nur Rollen für historische Persönlichkeiten sind vorhanden, sondern auch die des Gewissens und der Schuld, welche durchs ganze Stück führen. Laut Giovanoli verfügen alle Schauspielerinnen und Schauspieler über Theatererfahrung, und der Elan in den Proben sei enorm. Das Tun und Lassen der Protagonisten werden Sidonia Caviezel und Markus Sievi musikalisch untermalen. Giovanoli setzt auf altes Bündner Liedgut und Bündner Volksmusikkompositionen.

Magd in Maienfeld

Die Geschichte um Anna Göldi ist eine tragische. Bereits mit 14 Jahren wird sie nach Maienfeld als Magd in Anstellung gegeben. Sie hatte kein schönes Leben und nach harten Übergriffen ging sie zurück an ihren Heimatort Sennwald. Mit 28 Jahren erwartet die junge Frau ein Kind, wird von ihrem damaligen Partner allerdings verlassen. Das Kind stirbt noch in der Nacht der Geburt, Göldi wird als Kindsmörderin an den Schandpfahl gestellt. Ihr zweites Kind stammte aus der Affäre mit dem Dienstherrn Zwicky, es wurde allerdings in fremde Obhut gegeben. Mit ihrem letzten Dienstherrn, Johann Jakob Tschudi, der aus einer der reichsten und einflussreichsten Familien des Kanton Glarus stammte, hatte sie eine Affäre. Weil dessen Kinder immer wieder Nadeln und Nägel spuckten, wurde Göldi wegen Verzauberung der Hexerei beschuldigt und angeklagt. Weiter kam die Bekanntschaft zu Ruedi Steinmüller dazu, welcher sich für die Alchemie interessierte. Er wurde als Mittäter verhaftet. Göldi gab in ihrem Gerichtsprozess unter Folter zu, die Kräfte des Teufels zu nutzen. So wurde sie als arme Magd im Hexenprozess als schuldig befunden und am 13. Juni durch das Schwert hingerichtet. Steinmüller hingegen nahm sich vor der Verhandlung das Leben, was als Schuldeingeständnis gewertet wurde.

Spielzeiten

Eine Premiere am Donnerstagabend? Selten der Fall, doch bei diesem Theaterstück gewollt. Die Aufführung am 13. Juni ist auf den Tag genau 237 Jahre nach Göldis Hinrichtung. Stückeinführung durch die Regie ist um 19.45 Uhr, Beginn der Vorstellung um 20.30 Uhr. Nach der Uraufführung wird am 14., 17., 18., 20., 21. und 22. Juni gespielt. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr im Schloss Haldenstein. Tickets können im Vorfeld unter 077 431 50 96 oder per Mail auf Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gebucht oder an der Abendkasse bezogen werden. Der Vorverkauf startete am 13. Mai.

Theater Haldenstein
Anita Mark
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