Theater Haldenstein Medienbericht

Anna Göldi-Drama geht unter die Haut

Artikel der P&H vom Samstag, 15. Juni 2019
Das tragische Schicksal der Magd Anna Göldi aus Sennwald, welche als «letzte Hexe» 1782 in Glarus hingerichtet wurde, beschäftigt Annina Giovanoli seit ihrer Jugend. Mit dem Laientheater Haldenstein trägt die freischa ende Theaterfrau dieses als Freilichttheater in den Schlosshof Haldenstein.
Manuela Liver überzeugt in der Rolle der Anna Göldi. Gabi Schumacher (links) verkörpert «Die Schuld» und Anita Mark «Das Gewissen». Bild scannen und in die Hauptprobe reinsehen und -hören.
Foto/Video: H. Wyss
Annas Vergangenheit im Schlosshof von Haldenstein erzählen zu dürfen, freut mich ganz besonders, sagt Annina Giovanoli. Die freischaffende Theaterfrau lebt seit vielen Jahren in Haldenstein und hat mit dem örtlichen Laientheater erfolgreich manche Produktion auf die Bühne gebracht. Ihre Bündner Fassung um das traurige Schicksal der «letzten Hexe» schrieb Annina Giovanoli anhand von Recherchen, Vorlagen aus diversen Werken sowie Zeitungsartikeln völlig neu. Die Regisseurin besuchte die Schauplätze in Mollis und Glarus. Wie sich P&H anlässlich der Hauptprobe vom Dienstag überzeugen konnte, ist ein aufrüttelndes Freilichtspiel entstanden. So passend die alten Schlossmauern der Inszenierung ihren würdigen Rahmen verleihen, so achtsam gehen nicht nur die Regisseurin, sondern auch die 13 Schauspieler mit der Handlung um.

Besetzungen passen

Mit Ausnahme des «Gewissens» und der «Schuld», welche im schwarzen Frack auftreten, den verschiedenen Persönlichkeiten den Spiegel vorhalten, beinahe tänzerisch leicht die Erzählerrolle übernehmen und das Stück so in die Gegenwart tragen, sind die Darsteller in historische Kostüme gewandet. Gut gewählt sind auch die Spieler, welche in den ihnen anvertrauten Rollen durchwegs überzeugen. In die Rolle der starken Magd, welche mit 28 Jahren schwanger sitzengelassen wird, das Kind noch in der Nacht der Geburt verliert, an den Schandpfahl gestellt wird, nach einer Affäre mit dem Dienstherrn ein zweites Kind zur Welt bringt, welches in fremde Obhut kommt, ist die Kindergärtnerin Manuela Liver hineingewachsen. Doktor Tschudi (Marc Oetiker), bei dessen Familie Anna ihre letzte Stelle antritt, findet Gefallen an der hübschen Frau, was bei seiner Gemahlin Elsbeth (Lea Giovanoli) Hass hervorruft: «Si muass eifach aweg, dia Hex. Egal wia. Und für immer!» «Dia het Hexaspeutz doch klar im Bluat!», weiss Rosa Becker (Monika Curschellas). Wohl gibt es auch Leute, welche Anna, die kein Blatt vor den Mund nimmt, wohlgesinnt sind, so Babette Blumer (Suela Bernhard). Dorothea Steinmüller (Renata Cavigelli) verwehrt Anna ihr Haus zwar nicht, befürchtet jedoch Schlimmeres. «Stoht denn s freia Denka nu im Mannavolk zua, Herr Pfarrer? » Den Part der «aufmüpfi gen» Ursula Kubli hat Flurina Mejias Méndez inne. Ruedi Steinmüller – in die tragische Figur hat sich Gion Hitz versetzt – glaubt nicht, dass es dem Herrn Pfarrer anstehe, über Anna zu richten. Camerarius Pfarrer Tschudi – der schleimige Geistliche wird durch Joos Risch gemimt – und Richter Marty (Robert Giger) sehen das anders. Als das Töchterlein der Arztfamilie Nadeln spuckt, wird Anna der Prozess gemacht. Sie wird wegen Hexerei verurteilt und schliesslich von Landweibel Blumer (Reto Giovanoli) zur Hinrichtung geführt.
Musikalisch begleiten Sidonia Caviezel (Akkordeon und Gesang) und Markus Sievi (Klarinette) durch das Stück, welches von Anfang bis Ende unter die Haut geht.

Premiere am Jahrestag

Dass die Bündner Uraufführung des Dramas auf diesen Donnerstag angesetzt war, war kein Zufall, jährte sich doch Hinrichtung der Anna Göldi durch das Schwert exakt am 13. Juni. Aufführungen folgen am: Montag, 17., Dienstag, 18., Donnerstag, 20., Freitag, 21. sowie am Samstag, 22. Juni, jeweils 20.30 Uhr. Reservation unter 077 431 50 96 oder www.theaterhaldenstein. ch.

Theater Haldenstein
Anita Mark
Alt Strass 9
7203 Trimmis

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